Einmal Wochenchefin sein: Wenn die Auszubildenden die Bibliothek übernehmen

Shownotes

Alle Informationen zur Ausbildung zur Fami, der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, finden sich hier auf der Webseite der Städtischen Bibliotheken Dresden.

Der Link zur Folge, in der Marion Albrecht den Roman "Die Prinzessinnen im Krautgarten" von Wulf Kirsten vorstellt.

Titelmusik:

"Please, Listen Carefully", Jahzzar

Kommentare und Anmerkungen zur Folge bitte hier: https://buecherrausch.podigee.io/s3e8-ebibo-ebooks

Aufgenommen und produziert von Marcus Anhäuser, Dresden.

Mit freundlicher Unterstützung der Städtischen Bibliotheken Dresden.

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen zur achten Folge der dritten Staffel des Bücherausch-Podcasts "Hinter den Kulissen".

00:00:05: In dieser Episode bekommen wir Einblicke in ein ganz besonderes Projekt,

00:00:09: das es so an keiner anderen deutschen Bibliothek gibt.

00:00:12: Die Auszubildenden der Städtischen Bibliotheken Dresden übernehmen für vier Wochen eine komplette Zweigstelle

00:00:18: und lernen, was es heißt, ganz auf sich allein gestellt zu sein.

00:00:22: Mein Name ist Marcus Anhäuser.

00:00:24: Please, listen carefully.

00:00:26: Ein früher Nachmittag in der Zweigstelle Neustadt der städtischen Bibliotheken Dresden.

00:00:52: Es ist einiges los.

00:00:54: Zwei junge Mitarbeiterinnen an der zentralen Servicetheke haben gut zu tun.

00:00:58: Genau, eins haben Sie noch zu Hause.

00:01:00: Nichts, was uns passiert.

00:01:02: Aber das kann ich noch mal verlängern.

00:01:04: Soll ich es noch mal verlängern?

00:01:06: Gut, da wäre jetzt der neue Abgabetermin, der 28.3.,

00:01:11: soll ich Ihnen noch mal ein Zettel ausgeben?

00:01:14: Ich bin Annalena Thiel, bin 21 Jahre alt

00:01:19: und bin im dritten Ausbildungsjahr bei den Städtischen Bibliotheken Dresden als FAMI,

00:01:24: also Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste.

00:01:28: So, bitte schön.

00:01:29: Ja, danke...

00:01:30: Okay, dann genau, also dann brauch ich Ihren Partner mal.

00:01:35: Müsste das hier ausgefüllt werden.

00:01:38: Auf der Rückseite die Adresse nicht vergessen.

00:01:40: Und dann mit Personalausweis nochmal herkommen.

00:01:43: Und dann macht man den Rest, Sie können sich auch gern hier irgendwo an die Seite setzen,

00:01:46: stellen wie auch immer.

00:01:47: oder dort hinsetzen.

00:01:49: Genau.

00:01:51: Ich bin die Jenny Wadewitz.

00:01:53: Ich mache meine Ausbildung bei den Städtischen Bibliotheken Dresden.

00:01:56: Ich bin jetzt im dritten Lehrjahr.

00:01:58: Meine Ausbildungszweigstelle ist die Bibliotheks-Süd-Vorstadt.

00:02:01: Sie müssen mir einmal hier drauf unterschreiben.

00:02:03: Damit sehen Sie unsere Benutzungssatzung.

00:02:06: Erkennen Sie die an.

00:02:08: Ich würde Ihnen auch mal mitgeben.

00:02:10: An sich steht da alles drin, was Sie wissen müssen.

00:02:12: Normalerweise lernen Annalena Thiel und Jenny Wadewitz

00:02:14: in anderen Zweigstellen in Dresden das Handwerk der Bibliotheksarbeit.

00:02:18: Die beiden sind Teil eines ganz besonderen Projekts in der Ausbildung zur FAMI,

00:02:23: dem Ausbildungsberuf, um an einer Bibliothek zu arbeiten.

00:02:27: Der andere Weg führt über ein Studium mit dem Abschluss zur Bibliotekarin.

00:02:32: Die beiden jungen Mitarbeiterinnen betreuen zusammen mit ihren 17 Kolleginnen und Kollegen

00:02:37: des ersten und zweiten Lehrjahres vier Wochen lang die Zweigstelle im Stadtteil Neustadt,

00:02:42: Ganz auf sich allein gestellt, ohne Mithilfe der erfahrenen Mitarbeitenden, die sonst hier arbeiten.

00:02:48: So, da wäre Ihr Konten beglichen.

00:02:55: Und die Sachen könnt Ihr am Automaten wieder mitnehmen. Zurückgebucht sind Sie schon, aber aus sein müssten Sie es dann noch.

00:03:03: Genau, bitte schön.

00:03:08: Wir nennen es das Azubi-Projekt.

00:03:11: Es gibt auch Firmen, die etwas Ähnliches machen.

00:03:14: Da nennt man das Junior-Firma.

00:03:16: Da bekommen die Auszubildenden die Aufgabe,

00:03:19: in unserem Fall eine Bibliothek zu leiten.

00:03:22: Das ist Marion Albrecht.

00:03:24: Ihr kennt sie schon aus der zweiten Staffel.

00:03:27: Da hat sie uns die Prinzessin im Krautgarten von Wulf Kirsten vorgestellt.

00:03:31: Man hat das Gefühl bei dieser Geschichte mit dem Brot,

00:03:34: als würde man da mit auf der Wiese sitzen in der Sonne.

00:03:38: Brotes aus dem Buch herauskommen. Das ist sehr anschaulich und sehr eindrücklich beschrieben.

00:03:44: Das gefällt mir sehr gut. Sie ist verantwortlich für die Ausbildung an den Städtischen Bibliotheken

00:03:50: in Dresden. Sie erstellt umfangreiche Ausbildungspläne, organisiert die Praktika für die drei Jahre,

00:03:55: in denen die Auszubildenden in Dresden das Handwerk der Bibliotheksarbeit lernen und ist

00:04:00: auch bei den Prüfungen dabei. Unsere Azubis leiten für einen Monat lang die Bibliothek

00:04:06: Neustadt und die müssen in diesem Zeitraum wirklich alles machen. Also die

00:04:11: planen im Vorfeld die Dienste, die übernehmen alle Veranstaltungen, die in

00:04:16: der Zeit passieren, die organisieren selbst die Ausleihe, die Beratung der

00:04:21: Nutzer. Alles was irgendwie anfällt an Tätigkeiten, aber auch an

00:04:28: Herausforderungen müssen die allein bewältigen. Es ist immer eine

00:04:32: Mitarbeiterin im Hintergrund da, die sich natürlich zurückhält, aber die bei

00:04:37: Bedarf auch geholt werden kann. Das Azubi Projekt ist so etwas wie der

00:04:41: Höhepunkt im dritten Lehrjahr in der Ausbildung in Dresden.

00:04:45: Dort können die jungen Mitarbeiterinnen zeigen, was sie bis dahin gelernt haben.

00:04:48: Neben der Berufsschule in Leipzig, die sie blockweise besuchen, und der Arbeit in

00:04:53: der Heimatzweigstelle, schauen sie in den ersten zwei Jahren überall mal rein, um

00:04:58: die ganze Vielfalt ihres Berufes kennenzulernen.

00:05:00: Wir haben ja verschiedene Bereiche bei uns in der Bibliothek, zum Beispiel Musik, Belletristik, Jugend, Kinder, aber auch so Bereiche, die jetzt die Nutzer nicht sehen.

00:05:11: Unsere Mahnstelle, unsere zentralen Bestandsdienste, das Sekretariat und das sind so Praktika, die man immer so in der Ausbildung abschließt.

00:05:21: Die gehen meistens so eine Woche, teilweise auch zwei Wochen und das füllt ziemlich das erste und das zweite Lehrjahr.

00:05:29: Vor allem hat man die Chance herauszufinden, wo im Bibliotheksbereich man besonders gerne

00:05:33: arbeiten möchte und wo er nicht.

00:05:36: Lieber in einer öffentlichen oder wissenschaftlichen Bibliothek wie der SLUB, der Sächsischen Landes-,

00:05:42: Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden.

00:05:45: Ich war drei Wochen in der SLUB, in der Zweigstelle Medizin und konnte dort in den wissenschaftlichen

00:05:52: Bereich reinschnuppern.

00:05:53: Aber ich habe für mich gemerkt, dass es eine gute Entscheidung gewesen ist, dass ich in

00:05:57: öffentliche Bibliothek gegangen bin. Viele Studenten nutzen halt die Bibliothek, um

00:06:02: hauptsächlich dort sich aufzuhalten und zu lernen.

00:06:05: Man hat nicht so einen großen Nutzerkontakt dort. Also die machen halt ihr Ding und

00:06:11: hier in der öffentlichen Bibliothek hat man mit Kindern zu tun, mit Jugendlichen,

00:06:15: die eine Frage haben, die gerne zu Veranstaltungen kommen wollen und das

00:06:19: ist glaube ich der größte Unterschied zwischen den beiden Bereichen. Auch Jenny

00:06:23: Wadewitz hat ziemlich genau herausgefunden, welche Bereiche für sie passen.

00:06:27: Ich kann sagen, was auf jeden Fall nichts für mich wäre, wäre auf jeden Fall so eben

00:06:31: Zentralbestandsdienste oder so. Das sind halt Sachen, wo man wirklich nur im Büro sitzt.

00:06:34: Ich brauch dieses in der Zweigstelle rumrennen, mit den Leuten reden. Ich brauche eben die

00:06:41: Leute um mich, ich brauch dieses Chaos, ich brauch das hier nachmittags lauter ist als im Zoo hier oben,

00:06:48: zumindest ist es so. Und vor allem auch diese Veranstaltungsarbeit ist mir auch

00:06:54: ganz wichtig, das hat man nicht, wenn man im hinteren Bereich eher arbeitet.

00:06:58: Also ich will wirklich schon gerne in einer Zweigstelle bleiben oder in der

00:07:03: Zentralbibliothek ist es ja dann genauso. Aber Zweigstelle ist immer noch für mich

00:07:07: so dieses familiäre, man kennt seinen Nutzer, man weiß genau, der kommt, okay, ich

00:07:11: weiß schon Bescheid. Und in der Zentralbibliothek sind es halt sehr, sehr viele. Also wirklich da

00:07:15: da jemanden zu kennen oder sich das Gesicht von jemanden zu merken, schwierig.

00:07:20: Easy es ist ein Wagen im Fahrstuhl, den kannst du gerne hochholen.

00:07:27: Wenn du, ein Schlüssel ist sonst in der Schublade in dem Rollcontainer.

00:07:33: Alles gut, hast du ihn gefunden?

00:07:36: Sonst kannst du den noch erstmal im Fahrstuhl stehen lassen,

00:07:39: wenn du den jetzt nicht findest.

00:07:41: Genau, das ist der.

00:07:43: Super, danke.

00:07:45: Also ich glaube das wichtigste in dem ganzen Projekt ist, dass wir Erfahrungen sammeln können.

00:07:51: Wer hat schon als Azubi eine Möglichkeit was zu leiten als Auszubildende?

00:07:57: Wir übernehmen halt wirklich alles. Wir übernehmen die Bestellung von neuen Medien,

00:08:03: die ganze Veranstaltungskonzeption übernehmen wir. Natürlich auch so was wie Dienstpläne machen,

00:08:11: Thekenpläne machen und das macht man eigentlich sonst als Auszubildender nicht.

00:08:16: In seiner Ausbildungszweigstelle kann man zur Mitarbeiterin gehen und sagen, hier kannst du

00:08:21: mal helfen und so. Das ist halt hier nicht. Also man fragt seine Mitazubis quasi und wenn

00:08:26: die nicht wissen, dann muss man sich selbst kümmern und nur dadurch lernt man ja wirklich auch daran

00:08:32: und eben, klar, gibt es schwierige, auch dieser Umgang mit schwierigen Nutzern eben oder wenn

00:08:38: wenn es halt eben doch mal zu einem Konflikt kommt, dann muss man halt selber wissen, wie

00:08:43: handle ich jetzt? Ich kann niemanden rufen, der mir jetzt hilft. Ich muss jetzt überlegen,

00:08:47: gut, wie artikuliere ich mich so, dass diese Person mich ganz genau versteht und ganz genau

00:08:52: weiß, okay, hier ist jetzt Schluss. Man kann sich auf einer Ebene miteinander unterhalten,

00:08:57: aber nicht irgendwie, weil man Auszubildender ist. Also, das ist ja schon dieses ich hab

00:09:02: "Auszubildende" auf dem Schild stehen, dieses "Hm, die Leute wissen nicht so ganz, kann

00:09:07: die das da überhaupt hinter der Theke.

00:09:09: Aber man muss den Leuten irgendwie beibringen,

00:09:13: dieses Vertrauen wirklich zu haben.

00:09:15: Genau, daraus lernt man eben auch.

00:09:17: Das ist wahrscheinlich von Ihnen das Buch.

00:09:19: Das gehört uns gar nicht.

00:09:20: Weißt du?

00:09:22: Nee.

00:09:23: Das hat nämlich ja keiner Aufgeber von uns drauf.

00:09:26: Also das ist wahrscheinlich ein privates Buch von Ihnen.

00:09:29: Aber die zwei hat es jetzt abgegeben.

00:09:31: Während der vier Wochen des Projekts

00:09:33: ist jeder für bestimmte Bereiche

00:09:34: hauptverantwortlich und Ansprechpartnerin.

00:09:37: Annalena Thiel z.B. betreut in ihrer Heimatzweigstelle die Kasse, also hat sie diese auch im Azubi-Projekt

00:09:45: übernommen.

00:09:46: Die Kasse befindet sich bei uns an der Theke.

00:09:48: Und wir übernehmen ja Thekendienste und jeder, der halt gerade den Thekendienst hat, muss

00:09:53: die Kasse auch übernehmen.

00:09:54: So, 3,20 Euro haben wir da.

00:10:03: Wenn Medien zu spät abgegeben werden, dann fallen Säumnisgebühren an.

00:10:08: Das sind 40 Cent pro Tag, die müssen ja auch bezahlt werden.

00:10:11: Oder ein Nutzer bestellt sich was aus einer anderen Bibliothek.

00:10:15: Das wären auch eine Gebühr von 1,20 Euro.

00:10:18: Diese Gebühr muss der Nutzer bei uns einfach bezahlen.

00:10:27: Also das ist früh das erste, was ich mache. Ich zähle das Geld vom Vortag, dass alles stimmt,

00:10:40: vergleiche das mit unserem Kassenzettel, dass alle Posten übereinstimmen, das natürlich. Ich muss

00:10:48: das alles ins Kassenbuch eintragen, ich muss kontrollieren, ob alle EC-Belege da sind. Sehr

00:10:54: wichtig, darf nicht vergessen werden. Und ich bin auch für Fragen zuständig. Also wenn andere

00:11:01: Azubis Hilfe brauchen bei der Kasse, bin ich meistens die Ansprechpartnerin.

00:11:05: Das heißt jetzt nicht, dass ich nur für die Kasse zuständig bin, aber wenn irgendwas schiefgeht mit

00:11:16: der Kasse, dann fragen sie mich. Was hoffentlich nicht oft passiert.

00:11:20: Außerdem kümmert sie sich um sogenannte Spiele-Klär-Fälle.

00:11:26: Sie kommt etwa ein bis zwei Mal pro Woche zum Einsatz, weil etwa einzelne Spielfiguren

00:11:32: fehlen oder eine Karte unbrauchbar wurde.

00:11:35: Nicht immer haben die Nutzerinnen und Nutzer ein Einsehen.

00:11:38: Viele sind ziemlich verständnisvoll, die sagen "Oh Gott, ja, ich hab's noch zu Hause gefunden,

00:11:44: ich bring's sofort vorbei." Passiert ja auch gerne mal.

00:11:47: Aber es gibt natürlich auch Fälle, wo die Nutzer nicht so verständnisvoll reagieren,

00:11:55: weil sie sehen es teilweise nicht ein, neue Spielteile neu zu besorgen.

00:12:01: Wenn zum Beispiel eine Karte komplett kaputt ist, muss die natürlich neu besorgt werden.

00:12:06: Und das ist natürlich mit Kosten in Verbindung und das wollen die meisten nicht bezahlen.

00:12:11: Wenn die Leute gar nicht auf meine Nachrichten oder meine Briefe, meine Mails reagieren,

00:12:16: dann sperren wir meistens die Leute.

00:12:18: Also dann können sie auch nichts ausleihen oder unsere eBibo nutzen.

00:12:24: Das geht dann einfach nicht.

00:12:25: Jenny Wadewitz hat ebenfalls zwei Bereiche, für die sie hauptverantwortlich ist.

00:12:32: Sie stellt mit der Kollegin Sarah Richter Medienkisten zu bestimmten Themen zusammen,

00:12:37: so wie es Kita-Gruppen oder Schulklassen bei ihnen bestellen.

00:12:40: Und dann organisieren die beiden noch die Veranstaltungen in der Neustädter Bibliothek.

00:12:45: Wir machen die Veranstaltung nicht selber, sondern es ist auch für uns so, wer von den anderen kann dort mitmachen und wo brauchen wir noch Leute, wer hat gute Ideen und dann tragen wir das alles so ein bisschen zusammen und wir tun dann den Plan entwerfen, wer macht was, was braucht man dafür, wo findet man das, wir wissen wo die Veranstaltungsmaterialien sind und wir machen auch selber eben die Veranstaltung.

00:13:10: Zum Beispiel hatten wir jetzt die Woche heute früh auch schon Expressionismusveranstaltungen für eine 8. Klasse.

00:13:17: Das ist halt was, wo man wirklich ein bisschen die Überredungskunst braucht, um so ein paar Achtklässler dazu zu bringen.

00:13:25: "Cool, Bibliothek, ja, das ist es." Aber das wird auf jeden Fall, das lernt man ja auch dabei.

00:13:34: Man kann ja schon an der Körpersprache von, wie die auf den Stühlen sitzen, feststellen,

00:13:40: haben die jetzt Lust mitzuarbeiten oder muss ich jetzt hier vorne mit mir selbst reden.

00:13:43: Und dann gibt es für jede der Auszubildenden im dritten Lehrjahr noch eine ganz besondere Herausforderung innerhalb der vier Wochen.

00:13:55: Zusätzlich zu den Aufgaben, die sie sowieso schon übernehmen, ist jede von ihnen noch mal für eine Woche die absolut Hauptverantwortliche.

00:14:03: die Chefin der Chefs oder die Wochenchefin.

00:14:06: In den 4 Wochen haben wir 4 unterschiedliche Wochenchefs.

00:14:14: Also je ein 2er Paar.

00:14:16: So teilen wir uns die Verantwortung.

00:14:19: Wenn irgendwelche Problemfälle kommen,

00:14:22: gehen diejenigen gleich zu den Wochenchefs.

00:14:25: Ich bin in der allerletzten Woche der Chef.

00:14:28: Der Wochenchef kümmert sich auch um die Erstellung der Thekenpläne.

00:14:32: der Thekenpläne. Ich war ja in der ersten Woche Wochenchef und da ist es natürlich noch eine

00:14:40: Nummer stressiger gewesen, vor allem gleich in die erste Woche als Wochenchef reinzustarten,

00:14:46: weil Wochenchef bedeutet, ich war verantwortlich für die, also mit der Sarah Richter zusammen,

00:14:52: verantwortlich für die ganzen Thekenpläne, also wer sitzt wann an welcher Theke, wann hat der

00:14:58: der Pause, wann hat der Schluss, wann fängt der an, Überstunden absetzen, weil das ist auch ein

00:15:04: Ding, was wir eigentlich machen sollen im Projekt. Und wenn jemand krank ist, alles umorganisieren

00:15:11: und so. Und genau, das ist eine große Aufgabe, die viel Zeit kostet, weil man sich da eben auch

00:15:17: mal schnell verhaspeln kann. Es muss ja immer auch noch genug Leute geben, die nebenbei Aufgaben im

00:15:22: Büro machen, die zu erledigen sind. Dafür ist eben das zweite Lehrjahr auch immer sehr praktisch,

00:15:27: weil die können hier vor allem auch im Büro schon von alleine ihr ganzes Zeug machen. An der Theke

00:15:34: muss halt immer ein zweites und ein drittes Lehrjahr sitzen. Das muss ein bisschen nicht

00:15:37: eingeplant werden und im Büro machen die eigenes Ding, was man denen eigentlich gibt.

00:15:42: "Guten Tag, ich bin die "Prize of the Core".

00:15:44: Grüß dich!"

00:15:46: "Sehr schön."

00:15:48: "Also, gestern wurde mir nur noch zugetragen,

00:15:50: dass anscheinend, wenn Leute sich was zurücklegen wollen..."

00:15:52: Was auch noch so eine Woche Chefaufgabe ist,

00:15:54: ist, unsere Besprechungsrunde frühs zu leiten.

00:15:56: Das heißt, was jetzt am Vortag schiefgegangen ist,

00:15:59: und so weiter, was geändert werden muss,

00:16:01: was es für News gibt, und so weiter,

00:16:03: müssen wir früh an alle weitergeben.

00:16:05: Früh, wenn wir zusammen sitzen.

00:16:07: Und müssen eben uns irgendwie drum kümmern,

00:16:09: dass jeder von allem was mitkriegt.

00:16:11: was mitkriegt. Genau, das ist allerdings nicht so schwierig, weil meistens hat jeder

00:16:17: seinen Senf dazu zu geben und da muss man gar nicht so viel selber machen.

00:16:20: Genau, der kleine Tisch im Kiebelbüro, also ihr arbeitet da ja schon fleißig dran.

00:16:25: Wäre sehr cool, wenn das aber die Woche noch fertig werden würde, wenn ihr es schafft.

00:16:29: Also...

00:16:31: Kein Druck.

00:16:33: Wir arbeiten auch ein bisschen.

00:16:37: Das ist vielleicht sogar...

00:16:39: Ja, auf jeden Fall. Es kommt ja auch morgen. Ja, morgen ist Mittwoch. Morgen müssten ja die neuen Medien kommen.

00:16:46: Wenn ihr es nicht schafft, dann sagt Bescheid, ich habe jetzt meine Geschenke abgearbeitet, ich könnte noch irgendwas übernehmen.

00:16:51: Genau, also wir von Dritten Lehrjahr können auch was mitmachen. Das ist jetzt nicht das Problem.

00:16:55: Ich glaube, ich habe Zeit die Woche.

00:16:56: Du hast Zeit die Woche?

00:16:58: Du glaubst es aber nur.

00:17:00: Ich fand es ganz cool, aber es war auf jeden Fall stressig und man ist auch echt Matsche abends dann zu Hause gewesen.

00:17:08: Und dieses Ganze "mach dies, mach jenes" und dann doch selber aufpassen, dass man nicht irgendwas durcheinander bringt, ist ganz schön verrückt.

00:17:17: Klar, jeder kriegt seine Aufgaben und jeder muss halt damit klarkommen.

00:17:22: Und das zweite Lehrjahr, vor allem auch die tauschen ihre Sachen untereinander.

00:17:25: Wer kann was besser? Die helfen sich gegenseitig.

00:17:27: Also muss ich sagen, das zweite Lehrjahr arbeitet schon sehr gut selbstständig.

00:17:30: Also ich glaube, wäre das nicht so, wäre es noch stressiger gewesen.

00:17:34: Die stellen ihre Fragen, wenn Fragen da sind.

00:17:38: Wenn wir nicht helfen können, wissen die,

00:17:42: wie die sich Hilfe suchen können in der Arbeitsordnung, im Internet, wie auch immer.

00:17:47: Also, drittes Lehrjahr.

00:17:50: Na gut, Lehrjahr ist auch nicht da, wir sind nur halbiert.

00:17:55: Auch von Annalena Thiel will ich wissen,

00:17:59: wie sie es als Wochenchefin fand. Also rufe ich sie an.

00:18:02: Nach dem Projekt besuchte sie erst einmal wieder die Berufsschule in Leipzig, um dann zurück in ihre Heimatzweigstelle zu kommen.

00:18:09: Hallo, hier ist Annalena.

00:18:10: Hallo Annalena.

00:18:11: Ich wollte mal nachhören, wie es dir so geht, nachdem du ja jetzt das Azubi-Projekt hinter dich gebracht hast und in der letzten Woche die Wochenleitung übernommen hast.

00:18:22: Genau.

00:18:22: Und wie war es?

00:18:24: Also es war sehr gut. Es verlief auch alles sehr gut, zum Glück, in der letzten Woche.

00:18:30: Und es gab auch zum Glück keine Zwischenfälle mehr oder irgendwelche Probleme, denn unser

00:18:37: Fokus lag natürlich, dass wir die Bibliothek Neustadt wieder an die Kolleginnen aus der

00:18:46: Neustadt übergeben müssen, sprich die ganzen Arbeitsstände mussten wir übermitteln, aber

00:18:52: auch alles wieder so umräumen, dass es natürlich so dasteht, wie es uns die Kolleginnen überlassen

00:18:59: haben und das hat aber auch alles sehr gut geklappt. Es war zwar nochmal sehr stressig,

00:19:05: da wir halt auf alles achten mussten, aber ich denke wir haben das gut gemeistert, auf jeden Fall.

00:19:11: Und wie hast du dich gefühlt dabei als Chefin?

00:19:14: Es war schon eine größere Verantwortung als in den Wochen davor, aber ich denke es war trotzdem

00:19:22: machbar und ich habe mich gut dabei gefühlt und die anderen haben mich auch unterstützt und das war

00:19:28: auch sehr gut so. Und wenn du jetzt so ein Fazit siehst, was hat die Woche gebracht?

00:19:33: Naja, als Leiterin hat man natürlich mehr Verantwortung und mehr Aufgaben. Ich habe

00:19:39: mehr Erfahrungen gesammelt und konnte mal in die Position der Leiterin schlüpfen,

00:19:43: was auch ganz interessant ist. Und ich denke, das kommt auch ganz gut, wenn man dann ausgelernt ist,

00:19:50: dass man mal die Erfahrung gemacht hat. Doch mit dem Ende der Projektwochen allein

00:19:54: ist es nicht getan. Im Anschluss wird ausgiebig analysiert und ausgewertet, erzählt mir Ausbildungsleiterin Marion Albrecht.

00:20:02: Es gibt Feedback von den Azubis selber. Sie müssen für mich eine schriftliche Auswertung machen, wo sie dann auch noch mal

00:20:11: persönlich einschätzen, was hat gut funktioniert, was nicht so gut, was sollten wir nächstes Jahr anders machen.

00:20:17: Es gibt Auswertungen mit den Kolleginnen, deren Arbeit sie übernommen haben, also mit der Bibliothek Neustadt in dem Fall, um zu schauen, was hat gut funktioniert, was nicht.

00:20:29: Und falls im Nachgang des Projekts vielleicht Beschwerden von Lesern kommen, dann wird auch das ausgewertet.

00:20:37: Ansonsten gehen Sie wieder in Ihren normalen Betrieb über und ich habe manchmal den Eindruck,

00:20:44: das ist nicht so ganz einfach, denn so viel Verantwortung, wie Sie in der Zeit übernommen

00:20:49: haben, bekommen Sie nicht gleich wieder.

00:20:51: Sie sind ja immerhin noch Auszubildende.

00:20:53: Denn das darf man nicht vergessen.

00:20:55: Für einige war dies das erste und einzige Mal, dass Sie so viel Verantwortung übernehmen

00:21:00: konnten.

00:21:01: Wer wirklich einmal Leitungsfunktion in den Bibliotheken übernehmen will, braucht dafür

00:21:06: in der Regel den Studienabschluss zur Bibliothekarin.

00:21:09: Zum Glück kann man den aber auch noch nach der Ausbildung zur FAMI, zur Fachangestellten

00:21:15: für Medien und Informationsdienste, in Angriff nehmen.

00:21:18: Aber auch schon während der vier Wochen haben die Auszubildenden eine Menge über das gelernt,

00:21:23: was später einmal im Beruf auf sie zukommen kann.

00:21:26: Es entsteht ein sehr großes Verständnis für die Arbeit von anderen, auch für Entscheidungen

00:21:31: der Leitung. Und sie lernen noch sehr viel mehr als sonst in der Ausbildung, wie so ein

00:21:40: Gefüge zusammenwirkt, wie einzelne Aufgaben sich gegenseitig ergänzen, wie so jeder kleine

00:21:47: Baustein seinen Sinn hat und bestimmte Tätigkeiten, warum wird das eigentlich so gemacht. Solche

00:21:53: Dinge lernen sie da sehr. Nach so einer intensiven Phase sind die jungen

00:21:58: Kollegen nicht mehr dieselben wie zu Beginn des Projekts, findet Marion Albrecht.

00:22:03: Ich merke an dem Projekt immer, dass die Azubis sehr wachsen. Die meisten von denen wachsen

00:22:08: sehr. Vom Selbstbewusstsein her, von der Sicherheit her, wie sie an Aufgaben herangehen. Und sie

00:22:16: bekommen großen Respekt vor vielen Aufgaben. Eine hat mir mal gesagt, oh Gott, ich kann

00:22:21: nachts überhaupt nicht schlafen, mir geht es schon, als wäre ich selber die Chefin,

00:22:24: Ich bin ja jetzt die Chefin.

00:22:26: Also das ist wirklich erstaunlich.

00:22:28: Und da merken die auch, wie schwierig das ist,

00:22:32: manchmal Entscheidungen zu treffen.

00:22:34: Vielleicht auch im Umgang miteinander,

00:22:36: dass es manchmal nicht so ganz einfach ist,

00:22:38: wenn es Konflikte gibt.

00:22:40: Also es entsteht ein großes Verständnis

00:22:42: für die Tätigkeit anderer.

00:22:44: Und dann gibt es diesen Moment nach all den Vorbereitungen,

00:22:47: dem Planen und Analysieren.

00:22:49: Da geht auch einer erfahrenen Bibliotheksmitarbeiterin

00:22:52: wie Marion Albrecht jedes Mal wieder das Herz auf.

00:22:56: Was schön ist, wenn ich die Azubis besuche, wenn man dann sieht, wie sie Aufgaben ganz selbstverständlich übernehmen,

00:23:03: zum Beispiel Veranstaltungen mit Kindern durchführen und die stehen dann vor der Kindergartengruppe oder vor der Schulklasse

00:23:10: und kriegen da ganz viel Feedback und sind auch selber so mit Freude dabei und strahlen und bringen was rüber,

00:23:16: was rüber, wo man merkt, die sind im richtigen Beruf und die haben Freude dran und haben

00:23:23: was gelernt. Da bin ich sehr stolz, wenn ich das sehe.

00:23:27: Wenn das Azubi-Projekt abgeschlossen ist, haben Annalena Thiel, Jenny Wadewitz und ihre

00:23:32: Kolleginnen und Kollegen nur noch wenige Monate vor sich. Nach der praktischen und der theoretischen

00:23:38: Prüfung sind drei aufregende, stressige und lehrreiche Jahre vorbei. Wer weiß, wo wir

00:23:43: sie wiedersehen werden, wahrscheinlich in einem von 20 Häusern der städtischen Bibliotheken

00:23:48: Dresden.

00:23:49: Das war Folge 8 der dritten Staffel des Bücherrausch-Podcasts hinter den Kulissen.

00:24:04: Beim nächsten Mal erfahren wir dann, was Bienen und Saatgut in einer Bibliothek zu suchen haben.

00:24:12: Bis dahin, alles Gute!

00:24:21: Der Bücherrausch Podcast ist eine Produktion von Marcus Anhäuser, Dresden.

00:24:36: Die Titelmelodie "Please Listen Carefully" ist von Jhazar.

00:24:41: Mit freundlicher Unterstützung der Städtischen Bibliotheken Dresden.

00:24:45: Ja doch, ein paar schlaflose Nächte war vielleicht dabei, weil man denkt, man hat alles geschafft, aber irgendeine Aufgabe lauert noch um die Ecke, wo man dachte, oh das muss ich ja noch machen und das darf ich nicht vergessen.

00:25:00: Also ja, so ging es mir zumindest schon ein paar Mal.

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